System­relevanziergang

Ein coronagerechter Eins-zu-Eins Spaziergang mit einem Mitglied des Stadtensembles zu der Frage: Ist Kunst systemrelevant? Oder kann das weg?

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„Das ist doch nicht relevant. Nicht systemrelevant. Ist doch bloß Kunst.“

Mit Beginn des „Corona-Zeitalters“ hat ein Wort Einzug gehalten, mit welchem sowohl Künstler*innen als auch Menschen, denen die Begegnung mit analoger Kunst im Moment nicht möglich ist und zuweilen auch schmerzhaft fehlt, permanent konfrontiert sind:
Systemrelevanz.

Mehr denn je geht es darum, beweisen, ja streiten und darum ringen zu müssen, dass Kunst kein unnützer Luxus, sondern im wahrsten Sinne des Wortes „Lebensmittel“ ist.

Für Kunst gibt es keinen allgemeinen Maßstab, keine Berechnungsgrundlage für ihren Wert. Die Künste lassen sich weder zur Wertsteigerung in den Tresor legen, noch machen sie uns satt, noch gibt es objektive Kriterien, die uns eindeutig vermitteln, welcher Mehrwert in der Begegnung mit analoger Kunst liegt, geschweige denn, ob etwas Kunst ist oder „weg kann“.

In Coronazeiten wird dieses subkutan schon immer mitschwingende Thema plötzlich existenziell.

»Es geht ums Überleben und den Bedeutungsverlust der Kunst in einer andauernden Krise.«

Was? Wann? Wie?

Diese Diskussion um Systemrelevanz ist Anlass zu folgender Aktion: Das Stadtensemble lädt Sie zu einem Systemrelevanziergang ein. Bei dieser überraschenden Eins-zu-Eins Begegnung, einem Dialog mit einem Mitglied des Stadtensembles, stellen wir uns mit Ihnen zusammen der Frage: „Wozu braucht es Kunst?“ Bei körperlicher und geistiger Bewegung an frischer Luft erstreiten wir gemeinsam im Rahmen eines Blind Dates ein Fortbestehen der Künste und deren Legitimation.

Sie haben die Möglichkeit, sich für die einzelnen Spaziergänge hier auf einem Kontaktformular für einen der aufgeführten Termine anzumelden. Dort finden Sie ebenfalls Raum für mögliche Fragen. Nach dem Motto: pay what you can bitten wir Sie, als „Eintritt“ eine Summe Ihrer Wahl unter dem Verwendungszweck „Kunst ist systemrelevant / Ihr Wunschtermin“ vor Ihrem persönlichen Spaziergang auf das Stadtensemble-Konto zu überweisen. Mit dieser Honorierung unterstützen Sie alle beteiligten Künstler*innen gleichermaßen.

Nach Bestätigung der Überweisung erfahren Sie den Treffpunkt, aber nicht den*die Künstler*in. Diese*r wird sich Ihnen erst vor Ort – im Zweifelsfall durch Winken mit dem Flyer – zu erkennen geben.

Sie gehen dann bis zu 60 Minuten spazieren und tauschen sich so über die Relevanz von Kunst aus, so wie Sie das als spazierendes Systemrelevanzteam gerne möchten. Es bedarf keiner Vorbereitung, es ist kein Interview, sondern ein Dialog auf Augenhöhe. Zum Ende eines jeden Spaziergangs ziehen Sie gemeinsam ein Fazit und entscheiden spontan, wie Sie dieses hier auf unserer Website veröffentlicht sehen wollen: Als kleines Video oder Audio mit dem Smartphone aufgenommen oder als schriftliches Statement. Sie haben die Wahl, ob Sie anonym bleiben wollen oder wir Ihren Namen nennen dürfen.

»Theater ist wahrscheinlich die sozialste aller Kunstformen. Die sich ihm anvertrauen, ob im Publikum oder auf der Bühne, machen Erfahrungen, die nicht übereinstimmen, aber gemeinsame sind, in einem gemeinsamen Raum. Daraus entsteht – vielleicht – ein Gespräch, eine Begegnung. Diesen Möglichkeitsraum hat die gegenwärtige Corona-Krise verschlossen. Sie hat den Anderen, jeden Anderen, zum potentiell Verdächtigen werden lassen. Social distancing ist nur ein anderes Wort für grundsätzliches Misstrauen. So be-rechtigt dies derzeit sein mag: Wenn es nach der Krise darum gehen wird, das Gespräch wieder zu beginnen, Begegnungen zu üben, wird das Theater unverzichtbarer sein denn je.«

– Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters Berlin und Präsident des Deutschen Bühnenvereins

Termin zum Spazieren und Diskutieren anfragen

Hier können Sie die Verfügbarkeit eines Spaziertermines anfragen. Bitte füllen sie das Formular aus und fragen Sie Ihren Wunschtermin an. Wir werden uns umgehend bei Ihnen melden und Ihnen mitteilen, ob der angefragte Termin noch verfügbar ist.

Specials

Wandern, pilgern, rennen, schleichen, spazieren, systemrelevanzieren. Welche Bedeutung hat das Gehen in Zeiten, in denen wir nicht ausgehen, aber immerhin noch rausgehen dürfen? Dieser leichtfüßige Systemrelevanziergang widmet sich beim Gehen dem Gehen… begeben Sie sich auf eine Reise zu Geh-Schichten und labyrinthischen Wendungen.

Kunst und Quatsch – oder heißt es: Die Kunst ist futsch oder: Wer schoß auf den Theater-Kater?
Ach, wer weiß das schon – wir können aber auch seriös Gedichte lesen!
Wie Sie wollen! Wollen Sie?

entsteht während des Spazierens im Wechselgespräch – Beginnend mit „Es war einmal…“ und endend mit „und wenn sie nicht gestorben sind dann leben sie noch heute.“ Jede*r fügt jeweils einen Satz hinzu und gemeinsam entscheidet man den Verlauf, die Personnage, die Dramatik und das Ende. Diese so entstehende einmalige Geschichte wird beim Gehen aufgezeichnet und hinterher auf unseren Kanälen veröffentlicht.

Verschiedene Themenkomplexe mit Fragen, die das Spaziergangsteam sich gegenseitig stellt rund um die Erhaltung des Menschengeschlechts, um Ehe, Frauen, Hoffnung, Humor, Geld, Freundschaft, Vatersein, Heimat, Eigentum und Tod.

Ob Baum, Gras, Busch, Pflanzen, wo finde ich „grüne“ Ideen für Gedichte, Geschichtchen und Dialoge? Gemeinsam Worte finden, die vielleicht sogar lyrisch unseren Spaziergang beschreiben. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und die Anregungen kommen von draußen. Sich einfach mal anders ausprobieren.

Erfahrungsberichte und Fazite

»Frau Andratschke mit Herrn Andratschke – nicht verschwistert oder verschwägert, eher verregnet!«

»Ohne Tanzen ist das Leben halb so schön.«

»Ich, Renate Rave-Schneider, 69, Münsteranerin seit über vierzig Jahren, fand den gestrigen Relevanziergang mit Tashina Mende, der nicht – wie geplant – über den jüdischen Friedhof stattfinden konnte, erbaulich, hochinteressant und bereichernd. Denn ich spürte eine Wellenlänge mit der jungen Frau, Pantomime und Schauspielerin, die meine Tochter sein könnte, alters-mäßig, eine Wellenlänge in Bezug auf Wege aus der Corona-Krise, Bewältigung dieser Corona-Zeit rein künstlerisch und Chancen für die Zukunft, die in dieser Ära liegen könnten. Nebenbei sprachen wir auf der von der Sonne beschienenen Bank an der Gräfte im Schlossgarten über Bücher („Frederik“, „Schlafes Bruder“) über Familie, Herkunft, Heimat, Schicksal, Krankheit, Achtsamkeit, Pantomime, den Clown und Pantomimen Dimitri, über Radio-Arbeit und schauspielerische Arbeit).«

»Ich habe jemanden getroffen, die meine letzte Premiere gesehen und in dieser Nacht auch zum letzten Mal gefeiert hat.«

»Systemrelevant nicht im direkten Sinne – aber indirekt, denn für die Menschen im System, die das System machen und es tragen, ist die Kunst äußerst relevant. Ich habe das große Glück im Theater zu arbeiten und noch wenigstens ein bisschen teilhaben zu dürfen an Kunst und Kultur. Ich sehe das als Privileg, für welches ich sehr dankbar bin. Ohne die Kunst fehlt der Raum der Anregung und des Austauschs, welcher eine Plattform bietet, sich mit den verschiedensten Themen auseinanderzusetzen und darüber hinaus sich selbst besser kennen zu lernen. Die Kunst wird nie aussterben, davon bin ich überzeugt. Aber gerade jetzt ist es wichtig, darauf aufzupassen, dass die Kunstschaffenden überleben und ihre Arbeit weiterhin ausführen können. Künstler leben für ihre Kunst. Das Publikum lebt von und mit deren Kunst. Wenn das nicht mehr gewährleistet ist, fehlt ein elementarer Bestandteil für die Gesellschaft und das System könnte darunter leiden.«

»Herzlichen Dank noch einmal für den belebenden Spaziergang im Wienburgpark und das gemeinsam gesponnene Märchen. Es hat bei der Enkelin viel Staunen und Freude erzeugt und ihr war ganz klar „Die Frau da auf dem Foto mit dir, mit den schönen Haaren, war ganz bestimmt eine gute Fee!“«

Andrea: Mir ist nochmals klar geworden, wie wichtig physische Präsenz ist in der Kunst und in der Begegnung.
Andrea und Matthias: Vielen Dank für den schönen Gang im Schnee.

»Gefahr der Dämmerverblödung: Kunst ist kein Add-on, sondern existentiell, evolutionär.«

»Der Spaziergang ist schwer auf der Ergebnisebene zusammenzufassen, es hat einen Wert an sich, dass wir den Prozess hatten.«

»Wir liefen statt der geplanten einen Stunde, zwei Stunden durch strömenden Winterregen und zum Abschluss sagte Theresa, dass es ein wunderbares Weihnachtsgeschenk war und ich fühlte mich gleichermaßen beschenkt durch ein großartiges Gespräch.«

»Ein schönes Gespräch über das Glück Kultur erleben zu können und den Horizont zu erweitern.«

»Krönender Abschluss unseres literarischen Spaziergangs an diesem trist-kalten Januartag war Gabrieles Lesung aus den Briefen von Rosa Luxemburg. Diese Briefe, die Rosa unter üblen Haftbedingungen aus dem Berliner Gefängnis an ihre Freundin geschrieben hat, sind von kaum fassbarer Lebensfreude. Rosas Prosa leuchtet auch heute noch wie ein heller Stern und mahnt uns, den Blick auf die wichtigen Dinge unseres Daseins richten, gerade in Zeiten der Pandemie. Hölderlin hatte recht: „Was bleibet aber, stiften die Dichterinnen“. – Meragviliosa, Gabi, e mille grazie!«

Tochter: Mir ist noch mal bewusster geworden, wie das Zwischenmenschliche fehlt, wie wichtig dieser Austausch ist und dass über den Austausch Fragen aufkommen, die man vorher gar nicht im Kopf gehabt hat. Daraus kann man sich so neue Möglichkeiten schöpfen.

Mama: Ich nehme mit, dass Kunst, die auch politisch ist, hochrelevant ist und das fehlt. Es ist so toll, dass wir alle eine andere Perspektive haben.

Ich: Ich nehme diesen wunderbaren Begriff des Zwischenraums mit, der entsteht, wen zwei oder mehrere Menschen zusammen kommen. Denn dieser Zwischenraum ist nicht planbar und in ständigem Wandel begriffen, so wie bei unsem Spaziergang heute.

»Im weiteren Sinne entsteht Theater immer dort, wo eine Person beschließt, dass ein Geschehen es wert ist, ihm für eine gewisse Zeit ihre oder seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu widmen. Wenn wir es so betrachten, dann ist die Kernidee des Theaters auch im Moment sehr lebendig! Trotzdem freuen wir uns beide auf den Tag, ab dem neben dem alltäglichen auch das theatrale Theater wieder stattfinden kann, vor allem wegen der Verbundenheit und dem Austausch, den es schafft.«

»Systemrelevanz Spaziergang zum Clown-Atelier!«

»Das war ein wahrlich inspirierender Spaziergang und hat einen für uns schon besonderen Tag noch eindrücklicher und besonderer gemacht. Der Austausch, das Einnehmen von neuen Blickwinkeln in Bereichen, die wir noch nicht kannten, hat uns bereichert und riesig Spaß gemacht. Und ganz nebenbei haben wir einen Ort kennengelernt, den wir ganz sicher wieder aufsuchen werden.

Uns würde in unserem Gespräch deutlich, was uns am stärksten in diesen Zeiten ohne Kunst und Kultur fehlt; es ist die „Hingabe“. Die Möglichkeit, sich auf den Weg zu machen, ob ins Kino, Theater oder Konzert und sich auf ein Erlebniss mit allen Sinnen einzulassen..«

»Ein hochinteressanter Systemrelevanziergang mit Uwe Kamphoven. Zwei Systemrelevanziergänger aus verschiedensten Welten, aus Wirtschaft und Kultur, die während eines eineinhalb Stunden dauernden mehr Gemeinsamkeiten entdeckten, als vielleicht erwartet. Eine logische Erkenntnis war: Viele Projektkonzeptionen sind sehr ähnlich in beiden Bereichen! Ein weiteres Thema war die Frage nach unserer Lebensweise in Zukunft. Wie lässt sich ein zufriedenes Leben generationsübergreifend mit allen Facetten von kultureller und sozialer Versorgung realisieren? Ein Diskurs, der nur ansatzweise die interessantesten Punkte beleuchten konnte. Und wie nach jedem Systemrelevanziergang war klar, dass eine solche Form der Begegnung auch oder gerade in „virusfreier“ Zukunft fortgesetzt werden muss(!). Die „zufällige“ Begegnung der Systemrelevanziergänger*innen setzt eine große Bereitschaft zur Kommunikation und eine Offenheit voraus, die auch die Kulturwelt in einer sehr direkten Art und Weise bereichern kann. #walkon «

»Der heutige Relevanziergang mit Edith und Hendrik Wefers stand ganz unter dem Thema, was machen die Künstler eigentlich in dieser Zeit und was fehlt ihnen. Beide sind sehr kulturinteressierte Menschen mit Mitgliedschaften in Kunstvereinen und regelmäßigen Theaterbesuchen in Münster und auswärts. Da ihr Leben weitestgehend beruflich „normal“ weiterlief, wollten sie wissen, wie sich das Leben der freien Künstler*innen abspielt und was sich verändert hat. Ein Fazit war (wie auch das der vorhergegangenen Systemrelevanziergänge), über Vernissagen, Premieren u.ä. hinaus im Gespräch zu bleiben und sich gegenseitig die Lebenswelten mehr mitzuteilen! Herzlichen Dank an Edith und Hendrik!«

»In Zeiten der Coronapandemie muss man sich solche Mensch-gemachten Momente, wie die des Systemrelevanzierganges zu Herzen nehmen, um auch auch die positiven Dinge in dieser Zeit zu sehen. Und auch, um den Zauber des Theaters ein wenig am Leben zu erhalten. Denn auch, wenn es als nicht systemrelevant angesehen wird, ist es doch für einige Menschen sicher lebensrelevant.

Als Studentin der Theaterwissenschaft, ist dieses Projekt für mich doppelt interessant und ich überlege eine Hausarbeit darüber zu schreiben, mit der Frage ob ein Spaziergang in der Zeit der Coronapandemie als Kunst gilt.«

»Das war sehr besonders:
gegangen, gestanden, gelesen , gehört, geredet,
geschwiegen, gesehen, gestaunt, gefühlt, geahnt, geträumt
gelächelt und gefreut!
Das Unaussprechliche zum Thema gemacht.
Wunderbar!«
– Gabriele Brüning

Die Wälder sind voll von Traumgetier.
Ich geh unter lauter Schatten –
Es sind Netze gespannt von dir zu mir,
und was sich drin fängt, ist nicht von hier,
ist, was wir längst vergessen hatten
– Alexander Xaver Gwerder

»Als Zuschauer hat man immer das Gefühl, man ist nur Zuschauer und weiß gar nicht wie man selber letztendlich involviert ist und die Dinge mit in den Fluss bringt.«

»Faszinierende Stunde. Trotz kalter Temperaturen…

Einem Menschen begegnen, und sich mit ihm über etwas anderes als Corona zu unterhalten – festzustellen, dass der Theaterbetrieb und die Uni sich in Vielem ähneln : verkrustetes System – festgefahrene Strukturen – zum Teil verblüffend! Aber in dieser Stunde : vollkommen frei, offen und ungezwungen. Diskutieren über Diskussionen nach Kulturveranstaltungen. Was macht man, wenn man nach einem Besuch einer Tanztheatervorstellung das Gesehene nicht in Worte fassen kann und ein Kunstgenuss nicht unbedingt etwas intellektuell zu Erörterndes ist, sondern tiefe Emotion, die man lange mit sich herumträgt, die manchmal sogar Eingang in die Träume findet? Daraus kann ein neuer Blickwinkel entstehen – auf gerade Erlebtes oder das ganze Leben.«

»Die Künstler sind in einen Kühlschrank gesteckt worden und wenn sie rauskommen, sollen sie ganz tolle Ideen haben. Künstler sind die Brücke zwischen Menschen und Umarmungen.«

»Unverhofft kommt oft… An meinem üblichen Startpunkt für den Systemrelevanziergang strahlte mich ein zumindest vom Sehen bekanntes Gesicht an. Ein Nachbar aus 300 m Luftlinie. Wir haben schnell unsere kulturellen Gemeinsamkeiten entdeckt, Auftritte vor wechselndem Publikum mit Musik und Sprache. Damit waren wir schnell im Thema. Verwundert hat uns natürlich , dass wir uns in der Nähe eines Kulturzentrums nie bewußt begegnet sind. Der Spaziergang brachte uns aber näher und machte Lust, in Zukunft gemeinsam zu netzwerken und der Kultur besonders in unserer Siedlung mehr Gewicht zu verleihen.«

»Wenn die Pantomimin mit der Clownin einen Relevanziergang macht…

…muss über die Relevanz von Kunst und Theater bzw. Schauspiel offensichtlich nicht gestritten
werden! Im nu entsteht ein reger Austausch über die bereichernden Erfahrungen im Theater mit
behinderten Menschen, Clownerie mit Kindern und Existenzsicherung. Darüber, was uns im
Lockdown fehlt und wie sehr wir darauf vertrauen wollen, dass das bald wieder möglich ist. Dass
wir nicht meckern, sondern optimistisch und hoffnungsvoll bleiben wollen. Das Gespräch sprudelt
flüssig vor sich hin und wird nur von einem Schluck Punsch aus der Thermoskanne unterbrochen.
Als wir auf die Uhr schauen, sind eineinhalb Stunden, wie im Flug „vergangen“. Überaus
bereichernd, inspirierend und kurzweilig unser Relevanziergang! Danke für diese erfrischende
Erfahrung!«

»Nein, es kann nicht weg.

Kultur. Kunst.

Sind relevant.
Es schlummert
in jedem Menschen:
sich ausdrücken zu wollen.
Es braucht sie,
gerade jetzt .

Corona ist Stillstand.
Kultur. Kunst. bewegen
und verbinden.«

»Systemrelevantes Theater und systemrelevante Krankenpflege: wie schön das zusammenpasst!«

»Das Soziale und Kunst kann man nicht trennen. Es wird viel zu wenig beachtet in unserer Gesellschaft.«

»Ein gutes Gespräch über die Künstler – Situation angesichts der Pandemie. Kunst IST systemrelevant mittel – und langfristig. Einschränkungen müssen momentan von JEDER betroffenen Sparte in Kauf genommen werden.«

»Man kann momentan einfach überhaupt nichts mehr planen, die Perspektiven für das kommende Jahr liegen auf Eis. Es war sehr interessant, sich mit einem Künstler über seinen Beruf sowie seine Motivation dafür zu unterhalten. Ein schöner Nachmittag!«

»Dass diese Arbeit auch unter der neuen Intendanz weitergeht, ist für mich das Elementare.

In meinem Leben überhaupt und in meinem Beruf spielt, wie ich berichtete, die analoge Kommunikation eine absolut zentrale Bedeutung. Nun habe ich aus Ihrer Sicht, aus der Sicht einer Künstlerin, noch von ganz neuen Betrachtungen zur Thematik “Kommunikation” erfahren. Dies führte bei mir zu einer Horizonterweiterung! Da ich vor allem beruflich auch viel mit Schriftsprache zu tun habe und gerne mit der deutschen Sprache spiele, war der Begriff “Systemrelavanziergang” neben anderen Gründen auch ein Türöffner, an einem solchen Spaziergang teilzunehmen!«

»Das war ein glücklicher Zufall, dass ich Gunther Möllmann, den früheren künstlerischen Leiter des Pumpenhauses, zu diesem Spaziergang traf.

Wir haben viel über Theater und Kultur, über den Energieaustausch vom Schauspieler zum Publikum, über eigene Vorhaben und Werdegänge, und über Mikrokosmen und Weltgeschehen gesprochen.

Unser Fazit: die Kultur befindet sich derzeit in einem Dornröschenschlaf und wird bald mit neuer Kraft zum Leben erwachen. Es war toll, wir waren richtig positiv gestimmt und in freudiger Erwartung, gingen dann zum Abschluss unseres Gespräches in die Josefskirche und wohnten dort zufällig einer Probe zwischen dem Organisten und einem Sänger bei. Das war ein wundervoller, magischer Moment und bestätigte uns irgendwie in unserem Optimismus.«

»Der Spaziergang heute war sehr inspirierend. Wir haben viel über den tiefen aber oft subtilen Enfluss der Kultur gesprochen. Es war wunderbar und wir sind „verwandelt“ auseinander gegangen. Das Bild zeigt Hund Lotta, die auch zum Gelingen beigetragen hat.«

»Gemeinsam mit Weniger Mehr gestalten.«

»Ein Gedanke: Vielleicht ist Systemrelevanz sogar das völlig falsche Wort. Es geht im engeren Sinne doch um Existenz. Existenzrelevanz? Hatte man/frau bestimmt schon drüber nachgedacht, aber vermutlich zu sperrig. systemrelevant hat ja schon eine Melodie, aber existenzrelevant? Halt extrem deutsch konsonantisch. Und existenzrelevant sind doch alle.«

»Unser Fazit nach einem langen Gespräch über die verschiedenen Konzerte und Opern im Stadttheater: Wir haben uns über die Rezeption und Wirkung von künstlerischen Arbeiten und Werken unterschiedlichen Abstraktionsgrades unterhalten und kamen zu dem Schluss: Chancen und Risiken neuer Musik – es kommt darauf an.«

»Systemrelevant ist, dass man für Menschen arbeitet, die Hilfe brauchen und in allen Instanzen für das körperliche und geistige Wohl anderer da ist.«

»Ich hadere mit dem Begriff SYSTEMRELEVANT, ich bin für DEMOKRATIERELEVANT.«

»Egal wie lange diese Pandemie dauert – das Theater, die Kunst und die Kultur werden nie wirklich untergehen! Daran glaube ich fest! Die Kunst ist systemrelevant für die Seele.«

»Was für wunderbare Einsichten und Aussichten! Mit interessanten Menschen ein kluges Gespräch unter dem Novemberhimmel führen und aus den Theaterfenstern Klavierspiel hören. Sphärisch, zauberisch und voller Trost.«

»Wenn ich nicht davon überzeugt gewesen wäre, dass Kunst systemrelevant ist, dann hätte ich mich nicht für diesen Spaziergang angemeldet.«

»Die Aufgabe des Theaters ist auch Provokation. Und „Unterhaltung“ heißt auch „halten“ „unter“, also stützen!«

»Stefanie Bockermann traf auf Angelika, die Krankenpflegerin ist. Der Austausch begann bei der Frage, was dieses „systemrelevant“ eigentlich für ein diskussionswürdiger Begriff ist, erstreckte sich über ein lebendiges Gespräch über persönliche Gemengelagen in diesen Zeiten und landete bei der Hoffnung, dass es vielleicht eine Art resignative Kraft gibt, die Neues formen könnte.«

»Wir haben uns entschieden, Relevanz als individuell festlegbaren Parameter zu definieren, den man jeden Tag aufs Neue festlegt. Auch, um den Druck rauszunehmen, den gerade viele von uns, die nix machen können jenseits der blanken Existenznot verspüren. Jeder ist relevant, allein, weil es ihn gibt. Man darf jeden Tag entscheiden, wie relevant man gerade sein möchte.«

»Wir haben darüber gesprochen, dass alternative digitale Formate keine Alternative sind, weil man dabei nichts außer der bloßen Information erlebt. Man geht nicht aus dem Haus und es fehlt das Glücklichsein des gemeinsamen Erlebnisses und der Dialog..«

Hier findet sich außerdem ein Blogeintrag zum Systemrelevanziergang.

»Dass Kunst und Kultur notwendig und systemrelevant sind, darüber bestand von Beginn an kein Zweifel. Jutta, theaterbegeistert und kulturaffin, und ich kennen uns schon seit vielen Jahren, wir standen sogar schon mal zusammen auf der Bühne. Dennoch wussten wir nicht, dass wir heute gemeinsam den Spaziergang machen würden. Jutta liebt das Theater und nur die teils verschlossene Art der Münsteraner trüben die Freude am GEMEINSAMEN Erlebnis. Dass „Corona“ uns nun zu einer Zwangspause verdonnert, die insgesamt betrachtet vielleicht gar nicht so groß ausfällt (diese Sichtweise ist natürlich sehr subjektiv) und die natürlich Unsicherheiten und existenzielle Not mit sich bringt, kann aber auch als Chance begriffen werden. Denn so hart die Krise uns auch trifft, sie wird nicht ewig dauern. Und wie in der Musik sind ja die Pausen zwischen den Noten genauso wichtig wie die Noten selbst.«

»Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht Gesellschaft.«

»Wir haben heute eine Reihe gemeinsamer Themen entdeckt, vor allem Ökologie und Religion und wie beide miteinander zusammenhängen. Damit habe ich mich lange als Theologin an der Uni beschäftigt. Im Austausch heute Nachmittag ist mir klar geworden: Das besondere an der künstlerischen Beschäftigung ist, dass sie andere Wege der Auseinandersetzung findet als die Wissenschaft: emotionale, lustige, bewegende…

Kunst zeigt Dir, dass Du nicht alleine bist – im doppelten Sinne: Sie kann dich trösten, weil andere genauso geschockt sind wie Du, z.B. über die Zerstörung unseres Planeten und der Tiere und Pflanzen, die auf ihm leben. Sie kann Dich aber auch herausfordern, neue Perspektiven auf ein Thema einzunehmen. Und sie inspiriert dazu, Dich ihm weniger „verkopft“ zu nähern.

Kunst ist systemrelevant, weil sie wichtige Veränderungen anstoßen und begleiten kann – aber auch, indem sie einfach nur Freude macht, wie z.B. die wunderbare „Grünflächenunterhaltung“, die von Thomas Nufer erfunden wurde. Mir hat unser Treffen viel Spaß gemacht!«

»Hinter der Fassade …
Nicht nur das Gerüst muss halten.
Innere Reisen sind systemrelevant«

»Kunst. Kultur. Systemrelevant?!?

Viel mehr.

Das System und ich. Ich und mein System. Ich lebe immer in einem System. Ich wähle ein System. Ich trete ein in ein System. Ich bewege mich in Systemen. Ich verlasse ein System. Das System und ich. Es sind viele einzelne Teile. Ich bin einer von vielen. Wir alle sind auf irgendeine Weise vernetzt und kommunizieren.

Ich gehöre zu vielen Systemen, ich Staubkorn des Urknalls, zum Öko- und Zellsystem, zum lebendigen System. Ich bin Teil von natürlichen und künstlichen Strukturen. Ich bin vernetzt.

Ordnung und Lebendigkeit, Energie.

Ich blicke in den Sternenhimmel. Ich und das Universum. Ich, ein Teil unter vielen. Mensch, Tier, Pflanze oder Stein. Alle sind letztendlich gleich wichtig, wie in einem Puzzle miteinander verbunden und füreinander verantwortlich. Geborgenheit in Verantwortung? Gegenseitige Verantwortung? Ich erlebe darin meine Relevanz mir selber und Anderen gegenüber.

Für wen bin ich relevant? Was ist für mich relevant?

Es sind vielleicht Dinge die Körper, Seele und Geist aufbauen und Energie geben. Freies Durchatmen!? Die Schönheit der Natur? Vogelgezwitscher? Raschelndes, buntes Laub?Geistige und körperliche Bewegung? Oder künstlerische Momente, die mich beflügeln?

Soll Kunst systemrelevant sein? Ist meine Kunst relevant? Will ich relevant sein? Ist mein Leben relevant? Was ist für mein Leben relevant? Für welches System bin ich relevant?

„Meine“ Kunst ist für mich relevant, da sie mich befreit und weiterbringt.Ich „ent-wickele“ mich.

Regt Kunst mich an? Verführt sie mich zu mehr Lebendigkeit? Holt sie mich raus aus meinen eingefahrenen Bahnen?

Kann ich mir ein Leben ohne Kunst vorstellen?

Wie viel verliere ich ? Was werde ich vermissen?

Was wäre mein Leben ohne Kunst? Was wäre Kunst ohne Leben? Brauche ich ein Gegenüber? Braucht meine Kunst einen anderen? Bin ich neugierig?

Ich bin aktiv, bin in Bewegung, entwickle und schaffe etwas. Wie ist meine Vorstellung von der Welt? Wie weiten sich meine Sinne? Wie werden Sie trainiert? Was entdecke ich noch? Worüber staune ich?

Was wäre mein Leben ohne Kunst? Was wäre Kunst ohne Leben? Brauche ich ein Gegenüber? Braucht meine Kunst einen anderen? Bin ich neugierig? Brauche ich Kunst um nicht durchzudrehen ? Kunst, mein Kitt, der Dinge zusammenhält. Was wäre alles ohne Kultur, ohne Kunst? Was bliebe übrig? Leere Objekte, die ich konsumieren und verkaufen könnte ? Ich könnte mich vollstopfen, könnte shoppen, fressen und anhäufen, mehr und mehr, bis ich ersticke.

Ich kann immer sitzen bleiben, erstarren. Es vergeht Zeit. Vielleicht, tief in mir blitzt meine Neugierde wieder auf ? Was gibt es da? Ich will es wissen. ich will entdecken.

„Das letzte Zeichen dass Du gelesen hast, war kein Punkt, sondern ein Fragezeichen.“

Nicht alles als selbstverständlich oder als unveränderbar hinzunehmen, die Frage, der Zweifel, aber auch das Offensein für Neues, die Neugier, das Staunen, das Wahrnehmen und Geniessen, die Hoffnung, das Lachen und die Liebe zum Leben sind mein Antrieb.«

»Ich leide sehr unter Kulturentzugserscheinungen und hoffe, dass die prekäre Lage von Theater und der Kultur in der Coronazeit viel zentraler ins Bewusstsein der Regierung und der Menschen rückt.«

»Bei starkem Regen spazierten wir durch das Atelierhaus in der Schulstraße 43 durch die Ausstellung für nur eine Person: den Systemrelevanzierpartner. Und verstricken uns in neue Perspektiven für fantastische Projekte, bauten gedankliche Dachgärten aus und verwandelten ganze Flachdächer in Skulpturenparkanlagen mit weitem Ausblick über die Stadtlandschaft. Danach besuchten wir das LOTTCHEN, der Wiebke Bartsch. Die sich selbst verdoppelnde und genügende Systemplastik auf dem Beifahrersitz meines Dienstwagen. Endlich landeten wir bei dem Grab des Hamann – es hatte der Regen unterdessen seine Nässe verloren – und spazierten mit Blumenberg und Kant in den Köpfen zwischen vermoosten Steinen durch den wunderbaren Park….verstrickt in ein Gespräch, das wir fortsetzen werden.«

»An der Bank vor der Kapelle de Zentralfriehofs trafen sich pünktlich Frau Ulrike Breite und Hannes Demming und brachen zu einem geruhsamen Gang über das an dem Tag recht gut frequentierte kirchliche Gelände auf. Beim Vorbeigang an den Ruhestätten etlicher für Münster wichtiger Persönlichkeiten (Julius Otto Grimm, Harald Deilmann, Busso Peus, Heinz-Gert Freimuth, Hermann Landois, Maria Euthymia, Hildegard Graf, Moondog) entspann sich ein angeregter Dialog über die Bedeutung von Kultur und Kunst für die Gesellschaft allgemein und die münstersche Stadtgesellschaft im Besonderen. Am Ende des Spaziergangs stellten Ulrike Breite und Hannes Demming in großer Übereinstimmung fest, dass die Kunst in all ihren Facetten (Musik, Architektur, Wortkunst, Schauspiel etc.) unausweichlich zum Menschsein und zum Selbstverständnis des Menschen gehöre. Und da der Mensch das gesellschaftliche „System“ trage und es gleichzeitig auch voraussetze, sei ebenso selbstverständlich jegliche Kunst „systemrelevant“. Der Begegnung mit ihr könne niemand ausweichen, ob er es nun wolle oder nicht.«

»Ein System kann nicht funktionieren, wenn man ihm Sollbruchstellen hinzugefügt.«

»Ein formales Zusammenkommen mit Anmeldungen – das zeigt an, dass wir solche Gespräche jetzt formalisieren müssen.«

»Auf der Ebene soll es weitergehen, dass Theater ein Austausch wird und nicht stehen bleibt bei der Aktion auf der Bühne und der Reaktion vor der Bühne.«

»Inwiefern kann Theater eingreifendes Theater sein, das einlädt, über Problemlösungen nachzudenken, ohne dass sie da sind?«

»Vorhang auf: Perfekt in Szene gesetzt, dieser Spaziergang. Milde Herbstsonne scheint auf den gelb-grün belaubten Park. Entspannte Menschen wandeln oder joggen unter blauem Himmel. Fröhlich freilaufende Hunde und ein paar Pferde begegnen uns.

Dass wir Teil einer systemrelevanten Kunstaktion sind, merkt niemand. Bei diesem Setting ist das nicht ungewöhnlich. Doch dass die Bedeutung der Kunst für die Gesellschaft offenbar bis zum Beginn der Pandemie vielen Entscheidungsträgern verborgen blieb, muss verwundern.

Wir Relevanzierende sprudeln eine kurzweilige Stunde lang im inspirierenden Austausch über die Empathie und das Vertrauen, die mögliche Horizont-Erweiterung und neu entdeckte Erfahrungsräume, das politische Theater und die therapeutische Wirkung des Kreativseins.

Kunst kann nicht weg – sie bietet einen in der schnelllebigen und leistungsorientierten Gesellschaft notwendigen Ausgleich, ein Überdruckventil für belastende Lebensumstände, wirklichkeitsentrückende Verzauberung und appellhafte Aufklärung.

Den Gestaltungswillen zu vereinen mit dem Erschaffen-Können, die Originalität des Denkens mit der Energie des Empfindens zu verknüpfen – derlei Talente sind wertvoll für eine Gemeinschaft, sie verdienen Anerkennung und Applaus.«

»Es gibt nicht nur 15 Premieren im Schauspiel, sondern auch 15 Premieren in der Modeindustrie«

»Die Aura, die im Zuschauerkreis beim Wahrnehmen projiziert wird: auch das fehlt den Menschen, die sich mit Kunst auseinandersetzen, die Kunst schaffen.«

Systemrelevanziergang

»Kunst fängt für mich da an, wo man beginnt Donald Trump als tragischen Helden zu betrachten.«

Der Spaziergang wurde von Claudia Maschner (WDR) für die Sendung Mosaik begleitet.

Ursula Fischer

»Unser heutiges Gespräch fand ich sehr inspirierend und Ihre persönlichen Schilderungen haben mir einen direkteren Blick auf die Situation der Kulturschaffenden in der Coronazeit gegeben. Es wäre wirklich ein großer Verlust, wenn das kulturelle Leben weiterhin so eingeschränkt bliebe. Ich finde es deshalb besonders schön, dass Sie einen Weg gefunden haben Kulturfreunde und -schaffende auf so persönliche Art zusammenzubringen.«

Beiträge und Spenden bitte auf folgendes Konto überweisen

Stadtensemble Münster
Sparkasse Münsterland Ost
DE74 4005 0150 0154 0333 69
Verwendungszweck: Kunst ist systemrelevant/Wunschtermin

ZUSAMMEN MIT Theater Münster
GEFÖRDERT VON Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit dem NRWKULTURsekretariat im Programm NEUE WEGE und durch das Kulturamt Münster