Die Ermittlung – verschoben, Informationen folgen!

Oratorium in 11 Gesängen
von Peter Weiss

Das Stadtensemble liest „Die Ermittlung“ von Peter Weiss, geschrieben unmittelbar nach dem ersten Frankfurter Auschwitzprozess von 1963 bis 1965. 2022 im Amtsgericht – szenische Lesung in Dauerschleife, 0-24 Uhr.

„Die Ermittlung“, ein dokumentarisches Ausnahmewerk von Peter Weiss, wurde unmittelbar nach dem ersten Frankfurter Auschwitzprozess von 1963 bis 1965 geschrieben und am 19. Oktober 1965 im Rahmen einer Ring-Uraufführung an fünfzehn west- und ostdeutschen Theatern sowie von der Royal Shakespeare Company, London, uraufgeführt. Weiss selbst nahm als Zuschauer am Auschwitzprozess teil und entwickelte sein Stück u.a. aus den Berichten, die Bernd Naumann für die Frankfurter Allgemeine Zeitung geschrieben hat.

„Die Ermittlung“ ist in elf „Gesänge“ unterteilt. Diese sind nach thematischen Schwerpunkten gereiht und zeigen den Weg der Opfer von der Rampe bei der Ankunft in Auschwitz bis zum Feuerofen. Bewusst verzichtet Weiss auf ausschmückende oder psychologisierende Elemente. Der Text ist zum Teil wörtlich den Gerichtsprotokollen entnommen.

Die Personnage besteht 9 anonymen Zeug*innen, sie stehen für die 300 Zeug*innen, die von 1963 – 1965 ausgesagt haben. Die 18 Angeklagten treten unter ihren richtigen Namen auf, im Gegensatz zu den Häftlingen, die gewaltsam ihrer Namen entledigt wurden. Ein/e Ankläger*in spricht stellvertretend für alle Staatsanwält*innen und Nebenkläger*innen. Ein/e Richter*in symbolisiert das Gericht, ein/e Verteidiger*in steht für alle Verteidiger*innen.

2022 führt das Stadtensemble eine 24 stündige szenische Lesung im großen Saal des Amtsgericht Münster auf. Diese war für den Holocaustgedenktag am 27. Januar 2021 geplant und musste aufgrund der Corona-Pandemie leider zweimal verschoben werden.

Die Akteur*innen rotieren in 6 Durchgängen von 24 Uhr bis 24 Uhr, unterstützt durch Musiker*innen aus Münster, durch die Personnage des Stückes. Jede/r ist Zeuge oder Zeugin, Angeklagte oder Angeklagter, Richter*in, Ankläger*in oder Verteidiger*n.

In den Übergängen der verschiedenen Gesänge werden Musiker*innen Münsters das Thema auf ihre Art aufgreifen und improvisatorisch einen erweiterten sinnlichen Rahmen schaffen.

Bald wird es keine lebenden Zeug*innen des Holocaust mehr geben. Umso wichtiger wird es, die Erinnerung aufrecht zu erhalten. Die „Ermittlung“ ist eine Ermittlung über uns, über eine Gesellschaft, die den Holocaust ermöglicht hat.

Hinweis: Die geplanten Aufführungen am 28. Mai 2021 und am 27. Januar 2022 mussten aufgrund der Corona-Pandemie leider abgesagt werden.

LESENDE Ulrich Bärenfänger, Gabriele Brüning, Hannes Demming, Frank-Peter Dettmann, Sarah Christine Giese, Christiane Hagedorn, Ilja Harjes, Magnus Heithoff, Toto Hölters, Julian Kluge, Cornelia Kupferschmid, Heinrich Maas, Tashina Mende, Gerhard Mohr, Stefan Nászay, Thomas Nufer, Beate Reker, Jonas Riemer, Christian Bo Salle, Wilhelm Schlotterer, Eva Schröer, Thomas Schweins, Carola v. Seckendorff, Christoph Tiemann, Irmhild Willenbrink, Carolin Wirth und als Gast Matias Ristic
MUSIK Heide Bertram, Juliane Gaido, Jan Klare, Anja Kreysing, Jakob Reinhardt, Gudula Rosa, Martin Scholz
KÜNSTLERISCHE LEITUNG Carola v. Seckendorff, Cornelia Kupferschmid
SZENISCHE EINRICHTUNG Carola v. Seckendorff
AUSSTATTUNG Sophia Debus, Jakob Baumgartner
PRODUKTIONSLEITUNG Paula Berdrow
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT Wolfgang Türk
SOCIAL MEDIA Constanze Wolff, Moritz Piepel, Caroline von Lengerke
DESIGN medlay
GEFÖDERT VON Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW in Zusammenarbeit mit dem NRWKultursekretariat Wuppertal, Provinzial Versicherungen, Friedensbüro der Stadt Münster und Gesellschaft der Musik- und Theaterfreunde Münsters und des Münsterlandes e.V.
ZUSAMMEN MIT Theater Münster und Kulturamt der Stadt Münster
IN KOOPERATION MIT Amtsgericht Münster, Villa ten Hompel und Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V.