Die Ermittlung

Die Ermittlung bringt Orientierung und Emotion zusammen

Wie konnte das Unglaubliche, die systematischen Ermordungen durch den Nationalsozialismus, wie konnte das geschehen? Wir wollen die Zusammenhänge begreifen und müssen dafür in den Abgrund blicken – wir wollen nicht hineinstürzen. Der Dramatiker Peter Weiss verbindet dafür die Form des dokumentarischen Theaterstücks mit der Form des Oratoriums.

Dokumentarisch, weil er die Protokolle des ersten Auschwitz Prozess in Frankfurt (1963 bis 1965) direkt im Anschluss künstlerisch umsetzte. Er selbst nahm als Zuschauer an den Prozessen teil.

Das Oratorium wiederum bildet traditionell eine konzertante Darbietung religiöser Inhalte – zeigt beispielsweise das Leiden Christi zum Osterfest. Mit den 11 Gesängen seines Oratoriums Die Ermittlung nimmt Peter Weiss Bezug auf die Stationen der Juden auf dem qualvollen Weg vom Transport über die Rampe bis zum Feuerofen.

Nie wieder … und darum: immer wieder

Die Ermittlung wurde direkt im Oktober 1965 im Rahmen einer Ring-Uraufführung an fünfzehn Theatern im Westen wie Osten Deutschlands sowie von der Royal Shakespeare Company, London, gezeigt. Es folgten weitere Aufführungen wie zum Beispiel 2009 auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Sowohl für Spielorte wie Interpretationen lässt das Stück viel Raum. Wir wählen am 8. Mai 2022 den großen Saal im Amtsgericht Münster. Und wir spielen in Dauerschleife. Die Akteur*innen rotieren in sechs Durchgängen zwischen 0 und 24 Uhr. Jede und jeder ist Zeuge*in, Angeklagte*r, Richter*in. Musiker*innen aus Münster begleiten den Vortrag.

Es darf uns nicht loslassen

Im Winter 2022 wird das Leid der Juden im Dritten Reich verhöhnt. Demonstrierende wenden sich gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Sie heften sich den gelben Judenstern an und wollen sich als Ausgestoßene darstellen. Geschichte wird verdreht und für die eigene Argumentation verformt. Darum brauchen wir die Vorstellung bekannter Fakten wie die Protokolle der Auschwitz Prozesse. Darum öffnet das Oratorium unser Herz immer wieder für Mitgefühl. Und darum brauchen wir die Stimmen von Menschen, die das vergangene Verbrechen wieder erzählen und aktuelle Bezüge herstellen. Dafür wird Matias Ristic bei uns sein. Der Jurist forschte als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kölner Universität für seine Dissertation über Hans Hofmeyer, den Vorsitzenden Richter der Auschwitzprozesse. Er fand heraus, dass Hofmeyer selbst das Regime gestützt hatte.* In unserer Inszenierung von Die Ermittlung wird Ristic das Wort ergreifen und deutlich machen: Wir werden mit Hass, Rassismus, Schuld und Scham nie fertig werden. Darum stellt sich das Stadtensemble der andauernden Auseinandersetzung.

WANN? 08. Mai 2022, 0 Uhr/4 Uhr/8 Uhr/12 Uhr/ 16 Uhr/ 20 Uhr

WO? Amtsgericht Münster, Gerichtsstraße 2, 48136 Münster

WIE? Szenische Lesung, 6 Durchgänge in 24 Stunden. Karten bekommst Du hier über die Kasse des Theater Münster.

Diskussionsabend zu „DIE ERMITTLUNG“ am Mittwoch, den 11. Mai 2022, um 19.00 Uhr

Nach der 24-Stunden Aufführung von „Die Ermittlung“ von Peter Weiss diskutiert Andreas Determann mit der Regisseurin Carola v. Seckendorff, dem Juristen Matias Ristic und dem Historiker Thomas Köhler über die Bedeutung und Wirkung des Stücks für unsere heutige Zeit. Das Publikum hat die Möglichkleit mit den Diskutanten ins Gespräch zu kommen und die Besucher*innen der Aufführung sind eingeladen ihre Eindrücke zu teilen.

Mit Matias Ristic (Jurist, wiss. Mitarbeiter / Uni Köln, forscht über Hans Hofmeyer, den vorsitzenden Richter des Auschwitzprozesses), Thomas Köhler (Historiker, wiss. Mitarbeiter / Villa ten Hompel), Carola von Seckendorff und Andreas Determann (Geschäftsführer der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V., Moderation).

* Lies hier mehr zu den Hintergründen der Entdeckung.

LESENDE Anja Kreysing, Annette Roth, Ari Nadkarni, Armin Nufer, Beate Reker, Bernhard Glose, Carola von Seckendorff, Carolin Wirth , Christian Bo Salle, Christiane Hagedorn, Cornelia Kupferschmid, Eva Schröer, Frank-Peter Dettmann, Gabriele Brüning, Gerhard Mohr, Gregor Bohnensack, Gudula Rosa, Hannes Demming, Hermann FischerIlja Harjes, Jakob Reinhardt , Johanna Kollet , Jonas Riemer, Judith Patzelt, Julian Karl Kluge, Juliane Gaido, Lena Bodenstedt, Maria GoldmannMagnus Heithoff, Manfred Kerklau, Martin Scholz, Matias Ristic, Regine Andratschke, Rose Lohmann, Sarah Giese, Sophia Demming, Stefan Naszay, Thomas Schweins, Toto Hölters, Ulrich Bärenfänger, Ulrike Knobloch, Wilhelm Schlotterer, Paula Marie BerdrowValentin SchroetelerLuise Kinner (Gast)Anna Stern
KÜNSTLERISCHE LEITUNG Carola v. Seckendorff, Cornelia Kupferschmid
SZENISCHE EINRICHTUNG Carola v. Seckendorff
MUSIK Gregor Bohnensack, Juliane Gaido, Anja Kreysing, Jakob Reinhardt,
Gudula Rosa, Martin Scholz
AUSSTATTUNG Sophia Debus, Kathrin Land
PRODUKTIONSLEITUNG Paula Berdrow
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT Wolfgang Türk
SOCIAL MEDIA Constanze Wolff, Moritz Piepel, Caroline von Lengerke
DESIGN medlay
GEFÖRDERT VON Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW in Zusammenarbeit mit dem NRWKultursekretariat Wuppertal, Provinzial Versicherungen, Friedensbüro der Stadt Münster und Gesellschaft der Musik- und Theaterfreunde Münsters und des Münsterlandes e.V.
ZUSAMMEN MIT Theater Münster und Kulturamt der Stadt Münster
IN KOOPERATION MIT Amtsgericht Münster, Villa ten Hompel und Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V.