KZ Auschwitz, Einfahrt
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Die Ermittlung

Oratorium in 11 Gesängen
von Peter Weiss

„Die Ermittlung“ ein dokumentarisches Ausnahmewerk von Peter Weiss, geschrieben unmittelbar nach dem ersten Frankfurter Auschwitzprozess von 1963 bis 1965, wurde am 19. Oktober 1965 im Rahmen einer Ring-Uraufführung an fünfzehn west- und ostdeutschen Theatern sowie von der Royal Shakespeare Company, London, uraufgeführt. Weiss selbst nahm als Zuschauer am Auschwitzprozess teil und entwickelte sein Stück u.a. vorwiegend aus den Berichten, die Bernd Naumann für die Frankfurter Allgemeine Zeitung geschrieben hat.

„Die Ermittlung“ ist in elf „Gesänge“ unterteilt. Diese sind nach thematischen Schwerpunkten gereiht und zeigen den Weg der Opfer von der Rampe bei der Ankunft in Auschwitz bis zum Feuerofen. Bewusst verzichtet Weiss auf ausschmückende oder psychologisierende Elemente. Der Text ist zum Teil wörtlich den Gerichtsprotokollen entnommen und nährt sich somit von reinen Fakten.
Die Personnage besteht stellvertretend für 300 Zeug*innen, die von 1963 – 1965 ausgesagt haben, aus 9 anonymen Zeug*innen, Zeug*in 1 und 2 stehen auf der Seite der Verwaltung des Konzentrationslagers, Zeug*in 3 – 9 sprechen für die überlebenden Häftlinge. Die 18 Angeklagten treten unter ihrem richtigen Namen auf, im Gegensatz zu den Häftlingen, die gewaltsam ihrer Namen entledigt wurden zugunsten einer bloßen Nummer. Ein/e Ankläger*in spricht stellvertretend für alle Staatsanwält*innen und Nebenkläger*innen. Ein/e Richter*in symbolisiert das Gericht, ein/e Verteidiger*in steht für alle Verteidiger*innen.

Zum Holocaustgedenktag am 27.1.2021 wird das Stadtensemble eine 24 stündige szenische Lesung im großen Saal des Amtsgericht Münster durchführen.
Die Akteur*innen rotieren in 8 Durchgängen von 24 Uhr bis 24 Uhr des 27.1., unterstützt durch Musiker*innen Münsters, durch die Personnage des Stückes. Jede/r ist Zeuge oder Zeugin, Angeklagte oder Angeklagter, Richter*in, Ankläger*in oder Verteidiger*n.

In den Übergängen der verschiedenen Gesänge werden Musiker*innen Münsters das Thema auf ihre Art aufgreifen und improvisatorisch einen erweiterten sinnlichen Rahmen schaffen.

Bald wird es keine lebenden Zeugen des Holocaust mehr geben. Umso wichtiger wird es die Erinnerung aufrecht zu erhalten und niemals zur bloßen Legende werden zu lassen. Die „Ermittlung“ ist eine Ermittlung über uns, über eine Gesellschaft, die den Holocaust ermöglicht hat.